polenzer-rittergut

Das Rittergut Polenz wird in den Akten erstmalig 1262 als Ober- und Niedervorwerk erwähnt. Über die genaue bauliche Anlage ist nichts bekannt. Das Obervorwerk ist der spätere Herrensitz. Ein Brand, der im Jahre 1633 von Kroaten gelegt wurde, vernichtete sämtliche Gebäude. Jedoch schon 1636 wurde unter dem damaligen Besitzer, dem Herrn von Ponikau, mit dem Wiederaufbau begonnen, der auch nach dem Besitzerwechsel 1658 von dem Herrn von Reiboldt weitergeführt und 1669 beendet wurde. Der wiederhergestellten Schloss- und Gutsanlage von 1699 entspricht im Wesentlichen die Anlage, die wir heute noch vorfinden. Noch einmal wütet das Feuer, das bei der Kirmes 1805 ausbricht unter den Wirtschaftsgebäuden.

Schon 1809 werden die Wirtschaftsgebäude in einem Inventarverzeichnis wieder genau beschrieben. Mit dem Wiederaufbau muss also gleich nach dem Brande begonnen worden sein. Eine neue bauliche Veränderung erfuhren das Schloss wie auch der Schafstall unter Dr. Wilhelm Julius Heino Trinks in den Jahren 1886 und 1887. Das Schloss wurde wieder als Herrensitz ausgebaut, nachdem es unter den vorhergehenden Besitzern anscheinend vernachlässigt worden ist, da es verschiedenen Guts-herren nicht als Wohnsitz diente.

Blick vom Schlossteich in Richtung Rittergut

Die Gutsanlage von 1887, die bis auf den Schafstall im Wesentlichen der aus dem Jahre 1699 entspricht, haben wir in unsere Arbeit aufgenommen.

Das Erdgeschoss wird durch die große Eingangshalle in der Mitte geteilt. Dahinter liegt als Vorbau gegen den Park die dreiläufige Treppe. Die großartig gewölbte Anlage des Flurs- und Treppenhauses wird in der Literatur besonders erwähnt. Die Eckzimmer sind gewölbt. (Kreuzgewölbe). Der Grundriss des Schlosses Zeigt eine große Ähnlichkeit mit dem des Schlosses in Tiefenau bei Großenhain. Der Bau des Schlosses Tiefenau wurde 1710 beendet, also etwa in den gleichen Jahren wie Polenz. Es besteht daher die Möglichkeit, dass beide Bauten von demselben Baumeister stammen.

Das Kellergeschoss des Schlosses in Polenz konnten wir nicht aufnehmen, da es durch das eingedrungene Wasser nicht mehr voll zugängig ist. Alle Kellerräume sind mit Kreuzgewölben überwölbt.

Das Obergeschoss hat eine dem Erdgeschoss entsprechende Raumaufteilung, nur ist der Flur um die Hälfte verkleinert, indem die Längswand durchgeführt ist. Den Hauptraum bildet der so genannte Rittersaal. Er zeigt eine aus freier Hand gezogene Stuckdecke und ein etwa 2 mal 4m großes Deckengemälde. Das Deckengemälde und die Stuckdecke zeigen Ähnlichkeit im Aufbau, Form und Einfassung mit Arbeiten aus dem Großen Palais im Großen Garten in Dresden des Meisters Samuel Bottschildt, so dass wir annehmen können, dass auch diese Arbeit im Polenzer Schloss von Samuel Bottschildt stammt.

Der Dachstuhl ist unhandwerksgemäß ausgeführt.

Die seitlichen Pfeiler des Mittellaufes der Treppe bekrönten wahrscheinlich 2 Putten, von denen wir jedoch nur noch 2 Reste der Füße vorfanden.

Die Hoffront wird von einem Barockportal geschmückt. Über der Tür befindet sich ein Wappen von Philipp Ferdinand von Reiboldt (PHFR) in vergoldeten Buchstaben und ein Wappen von dem Herrn von Ponikau.

Der Graben, der das Schloss umzog, wurde auf der Hofseite von einer Sandsteinbalustrade umgeben, die von vier schönen Sandsteinfiguren in natürlicher Größe gekrönt war. Über den Schöpfer dieser Figuren können wir aus folgender kurzer Notiz vielleicht eine Vermutung aufstellen: 1701 Kontrakt zwischen dem Kammerherrn Gottlieb August von Reiboldt auf Polenz und dem Bildhauer Augustus Bley auf Lieferung von zwölf steinernen Kindern „Die Jahreszeiten“ (wahrscheinlich sind die zwölf Monate gemeint) und zwei steinernen Blumentöpfen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass der Bildhauer Augustus Bley auch der Schöpfer der vier Sandsteinfiguren ist. Die Unterlagen über den Bildhauer Augustus Bley sind spärlich. Das Künstlerlexikon von Thieme-Becker enthält folgende kurze Notiz: Augustus Bley, Bildhauer aus Pirna, wurde am 13.03.1687 in Dresden Bürger, 1689 und 1695 erscheint er bei Erneuerungsarbeiten in der Franziskaner-Sophienkirche. Werke von ihm sind nicht mehr nachweisbar.

Die Gutsanlage wurde nach 1945 im Rahmen der Bodenreform an mehrere Neubauern aufgeteilt. Im Laufe der Zeit entstanden um die ehemalige Gutsanlage herum Neubauerngehöfte, zu deren Aufbau in der Hauptsache Material aus den Gutshäusern verwendet wurde. Durch diesen teilweisen Abbruch, sowie durch erhebliche Witterungsschäden hat besonders das Schloss gelitten.

Durch den ruinösen Zustand der Gutsgebäude wurde von dem vorgesehenen Ausbau der Gutsanlage als MAS Abstand genommen. Man kann nur bei ein planmäßiger Abbruch verschiedene Baumaterialien retten.

(Aus der Seminararbeit in Geschichte der Baukunst und Kunstgeschichte Dresden am 28.09.1951 von Johannes Bonge – Auszug)